Robert Kane war ein Gewaltakteur zur See, wahrscheinlich Engländer, der wohl in Diensten des englischen Königs fuhr oder zumindest durch ihn Bezahlung erhielt. Es liegt nahe, ihn auch teilweise als Flottenführer zu sehen, zumindest aber als Haupt der mit seinem Namen in Verbindung gebrachten Raubaktionen. Er war aktiv in der Mitte des 15. Jahrhunderts (mind. zwischen 1449 und 1462) im Rahmen des Englisch-Hansischen Konfliktes.

Leben

Namensvarianten: (in chronologischer Reihenfolge der Nennung in den Quellen) Robertus Caen[1], Robart a Kaym[2], Robert a Kayn[3], Robert Kayn[4], Robert a Kaym[5], Robbert Kayn[6], Robbert Kan[7], Robberd Kan[8], Robbert Caen[9], Robert van Cane (Wennynckton genannt)[10], Roberd de Caen[11], Robert Can[12], Robertus de Cane[13], Robert de Kane[14], Robertus de Kane[15].

Lebensdaten: unbekannt. Durch Quellen nahegelegter Tätigkeitszeitraum als Gewaltakteur zwischen 1449 und 1462.

Herkunft: unbekannt. [Könnten sein Name oder Beiname ein Indiz geben? Caen wird erst gegen Ende des Hundertjährigen Krieges von Frankreich rückerobert,somit wäre ein Anfang des 15. Jh. aus Caen Gebürtiger ein Engländer. Wennington, Lancaster – sofern dieser Ort schon damals existiert – könnte der Grund für seinen einmal erwähnten Beinamen "Wennynckton" sein, zumal Robert Kane zeitweilig für König Heinrich VI. aus dem Hause Lancaster als Kaperfahrer zur See fährt.]

Tätigkeitsgebiet: Nordseeraum, (vielleicht auch) Ärmelkanal.

Verwandtschaft: k.A.

Tätigkeiten

Aktivitäten als Gewaltakteur:
1.
Robert Kane wird in den Quellen zwischen 1449 und 1468 für verschiedene im Jahr 1449 begangene Gewaltnahmen zu See im Zusammenhang mit dem Raub der Baienflotte verantwortlich gemacht. Das Verhältnis der einzelnen Gewaltnahmen ist im Einzelnen nicht genau rekonstruierbar, Überschneidungen sind durchaus möglich. Es ist nicht völlig ersichtlich, auf welche Weise Robert Kane an diesem Raubzug beteiligt ist, ob im Auftrag des englischen Königs (Heinrich VI.),[16] mit stillschweigender Genehmigung oder sogar auf eigene Faust.

Am 23. Mai 1449 wurde die Baienflotte, 110 Schiffe auf der Überfahrt vom Baienhafen nach Seeland, die v.a. Salz geladen hatten, geraubt.[17] An diesem Raub war auch Robert Kane mitsamt Daniel, Trifilion und Gesellschaft beteiligt.[18] Er soll hierbei Schiffe und Einwohner von Kampen geschädigt haben, weshalb Kampen gegen ihn klagt und König Heinrich IV. am 26. August 1449 eine Untersuchung und Bestrafung verordnet.[19] Er wird weiterhin erwähnt, aber in nicht näher bestimmter Weise verantwortlich gemacht, bei einem Seeraub an einem gewissen Cleis Molner, dem Schiff, Fracht (Wolle) und alles Gut (120 lb.) genommen wurden, begangen von einem gewissen Jon Nevell. Es heißt dort erklärend, Robert Kane habe die deutsche Flotte aufgebracht („hadde genommen de Prusche vlote“).[20]

Nach anderen Quellen soll Robert Kane am Pfingstabend, also am 31. Mai 1449, mehrere Seeraube begangen haben, die jedoch auch in Zusammenhang mit dem Raub der Baienflotte stehen: an Hans Wulff, dem 19 Rheinische Gulden und ein schwerer Nobel, sowie 1 sarse Salz genommen wurden;[21] an Tideman Ghurler, Teil der Baienflotte, dem Schiff und Fracht (Salz, Lachs) im Wert von 3.000 Mark geraubt wurden, worüber sich Cord Hurlemann, der mit diesem einen Geschäftsvertrag hatte, beschwert – auch betroffen sind Bernde Kulhen und ein gewisser Meister Peter.[22]

Im Mai 1449 soll er auch ein Schiff aus Danzig aufgebracht haben.[23]

Der Gesamtverlust der Baienflotte (Wegnahme von Schiffen und Gütern) wird 1461 von Lübeck auf 100.087 Lübische Mark (= 8.700 Englische Pfund) geschätzt.[24] In einem lübischen Klageartikel von 1465 heißt es, Robert Kane hätte (mit Daniel und Trifilion und englischen Männern) sieben Schiffe der Baienflotte aufgebracht und in einen sicheren Hafen überführt. Dies sei jedoch im Juni 1449 geschehen. Die Beraubten (darunter auch ein gewisser Tidemann Gunter und Bernd Cale) klagen auf einen Schadenersatz von 125.000 Rheinischen Gulden (Schiffe, Salz, Wein, Löhne).[25]

  1. (s. sonstige Tätigkeiten)

  2. Im August 1462 erreicht die Hansestädte ein Bericht des deutschen Kaufmanns zu London, in dem dieser über einen Seeraub klagt, den ein gewisser Robert van Cane, genannt Wennynckton, und Daniell mit Gesellschaft begangen habe, ausgestattet aus London. Es heißt ferner, sie hätten den Hansestädten eine Flotte mit Salz („enen vlaten mit salte“) genommen, sodass das Schiffsvolk mit großer Armut nach London habe gehen müssen und vom Kaufmann dafür Verpflegung („vitalie“) erhalten habe. Trotz aller Versuche sei das geraubte Schiff an die Themse nach Hampton gebracht[26] und das geraubte Salz nach Westminster in den Palast des neuen Königs, Eduard IV., versteigert worden, zu einem Preis von 10 [Pfund?], wofür der Kaufmann Wiederherstellung und Recht („restitucie“ und „recht“) fordert.[27]

Dieser Bericht scheint nahezulegen, dass Robert Kane auch 12-13 Jahre nach dem großen Raub der Baienflotte noch als Kaperfahrer aktiv war, nicht unbedingt im Auftrag des Königs, aber dennoch mit dem König als Abnehmer seiner Beute. Allerdings enthält der Bericht kein Datum, auf das der Seeraub angelegt werden kann.

Status: Kapitän[28], "begynner und rotir" [?][29].

Fahrgemeinschaften: Daniel(l)[30], Trifilion[31] und Genossen[32] / Gesellschaft[33].
Fraglich ist der Status eines gewissen „lort Saie“, der in einem Atemzug mit Daniel und Trifilion genannt wird, als diejenigen, die 1449 die deutschen Schiffe ausgeraubt hätten („di Pruschen schiffe in Engeland genomen haben und die do mete gepart und geteilt han“) und von denen 1450 ein Teil beim Aufstand von Kent in des Königs Rat [oder Rotte?] („ouch eyn teil in des hern conigis rot“) gewesen sein soll: „also Daniel und lort Saie und Tyrfilyan etc.“[34] – Lord Saye, Daniel und Trifilion und andere [Roberts Schicksal ist hier unbekannt] werden 1450 vom König festgesetzt, damit ihnen Recht gesprochen wird.[35] Zumindest Daniel scheint das zu überleben, da er noch 1462 gemeinsam mit Robert Kane aktiv ist.[36]

Auftraggeber: ohne Auftraggeber [?][37], König Heinrich VI. von England[38], König Eduard IV. von England[39].

Geschädigte: Einwohner und Schiffer von Kampen[40], Hans Wulff[41], Cleis Molner [?][42], Cord Hurleman, mester Peter[43]; Bürger und Einwohner der Reichsstadt Lübeck, darunter[44]: Ammoralis Hermannus Cappelle, Cord Bars, Hans van Stendell, Hans Schreye, Gerd vamme Loe, Hennick Sasse, Tideman Gunter[45],Wedege Lassan[46], Hinrik van Munden, Hinrik Winterveit, Schiffer Berchstede, Kersten Lange, Bernd Embeke, Claws Beteke, Bernd Cale[47], Merten Pulow; ein Schiff aus Danzig[48].

Angaben zu Schiff und Besatzung: k.A.

Sonstige Tätigkeiten:
2.
Im Jahre 1450 soll ein Teil derjenigen, die 1449 die Baienflotte ausgeraubt haben („di Pruschen schiffe in Engeland genomen haben und die do mete gepart und geteilt han“) während des Aufstands von Kent (Juni 1450) im Rat [Rotte?] des Königs gewesen sein („ouch eyn teil in des hern conigis rot“). Genannt werden Daniel und Trifilion sowie ein Lord Saye [war dieser Lord Saye auch am Baienflottenraub beteiligt?]. Die Aufrüher von Kent verlangen vom König, diese drei und andere herauszugeben, wohl, um sie für ihre Untaten zu bestrafen. Auch nach Robert Kane wird, so munkelt man, in dieser Hinsicht verlangt.

Auch, wenn König Heinrich VI. diese Forderung zunächst ablehnt, scheint sich seine Haltung unter dem Druck erst nur der „gemeyne“[49], dann "beider geistlich und wertlich"[50] zu ändern. So heißt es, dass Lord Saye, Daniel und Trifilion und andere schließlich von ihm festgesetzt werden, damit ihnen Recht gesprochen wird.[51]

Von Robert (und verwirrenderweise auch von Daniel und Trifilion) heißt es jedoch später, dass er – obwohl gejagt – auf freiem Fuß ist, allerdings unter Lebensgefahr: „het man sie kregen, si hetten must sterben um der tot wille“, schreibt Hans Winter am 9. September 1450[52] und „Wo man di mochte han, sicher si musten dorum sterben“ am 8. November.[53] Am 15. November berichtet er von einem im Parlament geforderten Erlass, nach dem den von Robert Kane und Konsorten Geschädigten Entschädigung gezahlt werden solle, weiß jedoch über den Ausgang dieser Forderung noch nichts zu sagen.[54]

Dokumentation der Recherche

  • nicht fündig in: Personenverzeichnis HR II.4, HR II.6, HR II.7

  • fündig in: HR II.3, HR II.5, HUB 8, HUB 9, Rymer Foedera 11.

Quellen

Chronologisch und nach Sinneinheiten gegliedert:

  • Beschluss König Heinrichs von England, einen Seeraub durch Robert Caen zu untersuchen und zu bestrafen, 26. August 1449 (HR II.3, 558, Rymer Foedera 11, S. 235)
  • Berichte eines gewissen Hans Winter, 3. Juli – 15. November 1450 (HR II.3, 558; 638; 647; 669; 670)
  • Preußisches Schadensverzeichnis, August 1451 (HUB 8, 84 §§3, 36)
  • Schadensverzeichnis eines gewissen Cord Hurleman, nach 1454 (HUB 8, 380 §5.)
  • Erklärung Lübecks, 1. Oktober 1461 (HR II.5, 169)
  • Bericht des dt. Kaufmanns zu London, August 1462 (HR II.5, 263 §18)
  • Recess zu Hamburg, 19. September – 9. Oktober 1465 (HR II.5, 712 §11)
  • Dokumente im Zusammenhang des englisch-deutschen Streits, darunter ein Klageartikel Lübecks (1465), eine englische Replik, eine Duplik der Deputierten des dt. Kaufmanns und eine Zusammenfassung (1468) (HUB 9, 196 §2; 481; 484; 523 §3)

Literatur

Einzelnachweise

  1. Rymer Foedera 11, S. 235 [1449, August 26;↵König Heinrich VI.].

  2. HR II.3, 638 [1450, Juli 3; Hans Winter].

  3. HR II.3, 647 [1450, September 9; Hans Winter].

  4. HR II.3, 669 [1450, November 8; Hans Winter].

  5. HR II.3, 670 [1450, November 15; Hans Winter].

  6. HUB 8, 84 §3 [1451, August; preußisches Schadensverzeichnis].

  7. HUB 8, 84 §36 [1451, August; preußisches Schadensverzeichnis].

  8. HUB 8, 380 §5 [nach 1454; Schadensverzeichnis des Cord Hurleman].

  9. HR II.5, 169 [1461, Oktober 1; Erklärung Lübecks].

  10. HR II.5, 263 §18 [1462, August; dt. Kaufmann zu London].

  11. HR II.5, 712 §11 [1465, September 19 – Oktober 9; Recess zu Hamburg].

  12. HUB 9, 196 §2 [1465 September – Oktober; Klageartikel Lübecks].

  13. HUB 9, 481 [1468 Juli 29; Replik der englischen Kaufleute].

  14. HUB 9, 484 [1468 August 1; Duplik der Deputierten des dt. Kaufmanns].

  15. HUB 9, 523 [1468 Oktober – November 21; Zusammenfassung des englisch-deutschen Streits].

  16. Das würde der Klageartikel Lübecks von 1465 nahelegen: HUB 9, 196 §2: „capitaneum de regno Anglie“.

  17. HUB 8, 84 §36; HUB 9, 196 §2. Zum Raub der Baienflotte HR II.3, 531.

  18. Die Beteiligung von Daniel und Trifilion wird in den Briefen Hans Winters an den Hochmeister des Deutschen Ordens von 1450 ersichtlich: HR II.3, 638; HR II.3, 647; HR II.3, 669; HR II.3, 670. Im Klageartikel Lübecks von 1465 werden diese beiden Namen wieder aufgegriffen: HUB 9, 196 §2. Sie fehlen jedoch u.a. in den Schadensverzeichnissen Anfang und Mitte (?) der 1450er Jahre (HUB 8, 84 §§ 3, 36; HUB 8, 380 §5).

  19. HR II.3, 558, Rymoer Foedera 11, S. 235. Dass Kampen an der Baienflotte mit Schiffen beteiligt war, ergibt sich aus HR II.3, 531.

  20. HUB 8, 84 §36.

  21. HUB 8, 84 §3.

  22. HUB 8, 380 §5.

  23. HUB 9, 523 §3

  24. HR II.5, 169.

  25. HUB 9, 196 §2.

  26. An dieser Stelle wird nur Daniell als derjenige genannt, der das Salz nach Hampton brachte.

  27. HR II.5, 263 §18.

  28. HUB 9, 196 §2: „capitaneum de regno Anglie“.

  29. HR II.3, 638.

  30. HR II.3, 638; HR II.3, 647; HR II.3, 669; HR II.3, 670; HR II.5, 263 §18; HR II.5, 712 §11; HUB 9, 169 §2.

  31. HR II.3, 638 (auch „Tyrfilian“); HR II.3, 647 („Trifiloon“); HR II.3, 669; HR II.3, 670 („Trifilion“); HR II.5, 7112 §11 („Drivilie“); HUB 9, 169 §2 („Drevile“).

  32. Rymer Foedera 11, S. 235 („Complices“), HUB 9, 196 §2 („cum […] complicibus“).

  33. HR II.5, 263 §18 („selshop“), HR II.5, 712 §2 („geselscop“).

  34. HR II.3, 638. Bei diesem lort Saie (auch „lord Saye“) könnte es sich um James Fiennes, 1. Baron Saye und Sele, handeln, dann wäre sein Beiname „baron von Dodile“.

  35. HR II.3, 638.

  36. HR II.5, 263 §18.

  37. HR II.3, 558, Rymer Foedera 11, S. 235. Es ist z.B. nicht ersichtlich, ob der Raubzug auf Schiffe und Einwohner von Kampen im Auftrag von König Heinrich VI., in bloßer Ermächtigung oder in Eigenregie durchgeführt wurde.

  38. HUB 9, 196, 196 §2 („capitaneum de regno Anglie“ im Jahre 1449).

  39. HR II.5, 263 §18. Hier erscheint der König Eduard IV. weniger als Auftraggeber denn als Abnehmer der eigenmächtig erworbenen Beute.

  40. HR II.3, 558, Rymer Foedera 11, S. 235.

  41. HUB 8, 84 §3.

  42. HUB 8, 84 §36. Es ist fraglich, ob Cleis Molner direkt von Robert Kane beraubt wurde oder nur im Zusammenhang eines Raubüberfalls, bei dem Robert Kane beteiligt war.

  43. HUB 8, 380 §5.

  44. Folgende Namen finden sich in: HUB 9, 196 §2.

  45. Tideman Gunter wird als Tideman(n) Ghurler auch andernorts erwähnt: HUB 8, 380 §5.

  46. Ein Schiffer Wedege wird auch andernorts erwähnt: HUB 8, 84 §3.

  47. Bernd Cale ist u.U. identisch mit einem gewissen Bernde Kulen: HUB 8, 380 §5.

  48. HUB 9, 523 §3.

  49. HR II.3, 638.

  50. HR II.3, 647.

  51. HR II.3, 638.

  52. HR II.3, 647.

  53. HR II.3, 669.

  54. HR II.3, 670.

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